Internationaler Markt
Die Optimisten hofften bis zuletzt. Doch nachdem Trump die neue Zollpolitik der USA mit einiger Mühe vom Teleprompter abgelesen hatte, war klar, dass die USA einen Handelskrieg gegen den Rest der Welt eingeläutet haben. Ölpreise und Aktienkurse gaben schlagartig nach. Brent-Rohöl kostet heute Morgen 72,3 Dollar je Barrel und damit über zwei Dollar weniger als gestern.
Alle Handelspartner müssen einen Zollsatz von mindestens 10 Prozent entrichten. Exporte aus der EU werden sogar mit 20 Prozent belegt, China mit 34 Prozent. Auch gibt es Sonderzölle für bestimmte Produkte wie Autos, für die 25 Prozent fällig werden. Besonders China ist betroffen: Hier addieren sich die alten und neuen Zollabgaben auf 54 Prozent.
Die Berechnung der Zollhöhe ist einigermaßen absurd. Kurz gesagt wird sie aus der Höhe des Handelsdefizits berechnet, also völlig unabhängig davon, in welchem Umfang die Handelspartner ihrerseits US-Waren mit Zöllen belegen. Auch dort, wo die USA einen Handelsüberschuss ausweisen können, müssen die Länder den Mindestsatz von 10 Prozent zahlen.
In einer ersten Reaktion verlor der Dollar gegenüber anderen Währungen deutlich an Wert. Zumindest der Devisenmarkt erwartet also nicht, dass die Position der USA durch die Handelsmauern gestärkt wird. Eigentlich sollte der Dollar an Wert gewinnen, denn die Zölle werden einen Inflationsschub auslösen, der die Zentralbank daran hindert, die Zinsen zu senken. Aber offenbar denken viele Investoren schon einen Schritt weiter: Der Handelskrieg wird die USA in die Rezession führen.
Und der Ölmarkt? Für Öl- und Gasimporte gibt es eine Ausnahmeregelung, hieß es aus dem Weißen Haus. Für sie fallen keine Zölle an. Kanada und Mexiko werden also erst einmal aufatmen. Das Jammern der amerikanischen Ölindustrie wird trotzdem nicht verstummen. Sie verbrauchen große Mengen an Stahl und Aluminium, die sich jetzt drastisch verteuern.
Andere News gingen im handelspolitischen Durcheinander fast unter. Der Wochenbericht zum amerikanischen Ölmarkt zeigte einen starken Aufbau bei den Rohölbeständen. Sie üben zusätzlichen Druck auf die Ölpreise aus. Hier die Zahlen des amerikanischen Energieministeriums (DOE) und die Umfragewerte des Branchenverbandes der Ölindustrie (API). Sie zeigen die Veränderung der Lagerbestände im Vergleich zur Vorwoche und weitere Indikatoren zum amerikanischen Ölmarkt:
Rohöl: +6,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +6,0 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +/- 0,0 Mio. Barrel (API)
Benzin: -1,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,6 Mio. Barrel (API)
Rohölförderung (4-Wochen-Durchschnitt): 13,6 Mio. Barrel pro Tag (0,5 Mio. über Vorjahresniveau)
Ölnachfrage (4-Wochen-Durchschnitt): 20,1 Mio. Barrel pro Tag (0,2 Mio. unter Vorjahresniveau)
Brent-Rohöl kostet zum Handelsstart in Europa 72,39 US-Dollar je Barrel. Die US-Rohölsorte West Texas Intermediate (WTI) steht bei 69,11 US-Dollar je Barrel. Rotterdamer Gasoil notiert bei 665,50 Dollar je Tonne. Der US-Dollar ist 0,9110 Euro wert. Damit steht der Euro bei 1,0973 Dollar.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise geben am Morgen wie erwartet nach. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt im Moment einen landesweiten Durchschnittswert von 92,0 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3000 Liter).
Rechnerisch sollten noch tiefere Preise möglich sein, denn Rohöl und Gasoil sind jetzt deutlich billiger. Gleichzeitig hat der Euro einen Satz nach oben gemacht. Die Einkaufspreise für die Händler sind also deutlich gefallen.
Belastend wirken allerdings die niedrigen Wasserstände auf dem Rhein. Die Binnenschiffe aus Rotterdam/Antwerpen, die auch Heizöl nach Deutschland bringen, können daher nicht voll beladen werden. Die Kosten steigen dadurch. Allerdings stammt der größte Teil des Heizölangebots aus Raffinerien in Deutschland.
An der Nachfrage liegt es nicht. Sie liegt seit Tagen stabil auf einem durchschnittlichen Niveau. Das könnte sich allerdings heute nach einem stärkeren Preisrutsch ändern. Bis dahin bliebt aber auch das Schwarm-O-Meter, das die Kaufbereitschaft nach Preisanfragen misst, auf einer mittleren Position. Die täglich ermittelte Lesereinschätzung zeigt ebenfalls eine durchschnittliche Markteinschätzung.
Fazit: Der Zollkrieg der USA stellt die Ampeln für Heizölverbraucher auf Grün. Solange unerwartete regionale Angebotsstörungen, wie z.B. extremes Niedrigwasser auf dem Rhein, ausbleiben, wird Öl erst einmal billig bleiben.
Nach wie vor gilt jedoch: Nichts ist billiger und klimaschonender als Heizöl, das nicht verbrannt wird. Reduzieren Sie Ihren Verbrauch und überdenken Sie Ihre aktuelle Heizlösung. Ab dem Jahr 2027 könnten die CO2-Abgaben für Heizöl steil steigen. Die Verbraucherzentralen halten Tipps und Empfehlungen bereit.
Quelle: esyoil