Internationaler Markt
Die Rohölpreise kletterten gestern einen weiteren Dollar nach oben. Brent-Rohöl kostet heute knapp über 73 Dollar je Barrel.
Die Händler bleiben jedoch vorsichtig. Blickt man nur auf den Ölmarkt, spricht weiterhin fast alles für schwache Ölpreise in diesem Jahr. Das Ölangebot ist mehr als ausreichend. Größere Störungen sind nicht in Sicht. Die Nachfrage ist mäßig und könnte noch schwächer werden.
Gestern zogen zwar die Aktienmärkte steil nach oben, aber die gleichzeitig veröffentlichten Konjunktursignale waren tief rot. Die US-Wirtschaft bewegt sich offensichtlich Richtung Rezession. Der Ölmarkt ignorierte diese Signale und ließ sich lieber von der guten Stimmung an den Aktienmärkten mit nach oben ziehen.
Aber auch neue Ankündigungen aus dem Weißen Haus sorgen im Moment dafür, dass die Ölpreise stabil bleiben. Trump verhängte gestern zusätzliche Zölle in Höhe von 25 Prozent für alle Länder, die Öl aus Venezuela kaufen. Die Maßnahme soll schon am 2. April in Kraft treten. Der US-Ölkonzern Chevron muss sich aus dem Land zurückziehen, auch wenn die Frist dafür gestern verlängert wurde. Trump begründete sein Dekret in derber Weise mit rassistischen Pauschalurteilen gegenüber venezolanischen Migranten in den USA.
China ist der größte Kunde für Öl aus dem lateinamerikanischen Land, das direkt auf der anderen Seite des Golfs von Mexiko liegt. Im letzten Monat kaufte China direkt oder indirekt 500.000 Barrel pro Tag. Das ist etwa die Hälfte der venezolanischen Ölexporte. Auch Indien, Spanien, Italien und Kuba sind Kunden.
In der Vergangenheit kümmerten sich chinesische Ölfirmen allerdings nur wenig um US-Sanktionen. Die Profitmargen sind einfach zu verlockend, da Caracas sein Öl mit hohen Rabatten anbietet. Immer wieder setzt Peking das Land unter Druck, die Rabatte noch weiter zu erhöhen.
China und Indien sind seit Jahren die Trittbrettfahrer der westlichen Sanktionspolitik. Beide Länder könnten auf venezolanisches Öl verzichten, da auch Russland billiges Öl anbieten muss, um den schon länger bestehenden Sanktionen der EU und der USA auszuweichen. Indirekt stärken die neuen US-Sanktionen gegen Venezuela sogar die russische Position im Ölmarkt.
Die Ölhändler sind in dieser widersprüchlichen Lage hin- und hergerissen und halten sich zurück. Die polternde und unvorhersehbare Ölpolitik der Trump-Administration hält spekulative Trader davon ab, auf fallende Ölpreise zu wetten. Die Überversorgung des Marktes sorgt aber auch dafür, dass nur sehr vorsichtig auf steigende Ölpreise gewettet wird.
An den europäischen Ölbörsen geht es am Morgen leicht nach oben. Brent-Rohöl kostet aktuell 73,26 US-Dollar je Barrel. Die US-Rohölsorte West Texas Intermediate (WTI) steht bei 69,38 US-Dollar je Barrel. Rotterdamer Gasoil notiert bei 672,25 Dollar je Tonne. Der US-Dollar ist 0,9272 Euro wert. Damit steht der Euro bei 1,0780 Dollar.
Nationaler Markt
Trotz der steigenden Rohölpreise bleiben die Preise im deutschen Heizölmarkt stabil. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt am Morgen einen gegenüber gestern fast unveränderten landesweiten Durchschnittswert von 92,7 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3000 Liter).
Das liegt zum einen an den Preisen für Gasoil, dem Vorprodukt der Raffinerien für Diesel und Heizöl. Sie koppeln sich wegen der schwachen Nachfrage in Europa vom Aufwärtstrend im Rohölmarkt ab und bleiben auf demselben Niveau wie gestern. Hinzu kommt die Zurückhaltung im Heizölmarkt. Im Vergleich zur turbulenten Vorwoche ist die Zahl der Bestellungen wieder auf ein durchschnittliches Niveau zurückgekommen.
Die Indikatoren bestätigen das Bild. Das Schwarm-O-Meter, das die Kaufbereitschaft nach Preisanfragen misst, bleibt auf der neutralen, mittleren Position. Die tägliche Lesereinschätzung zeigt einen nur durchschnittlichen Preisoptimismus. Etwa 70 Prozent der Voten erwarten demnächst fallende Heizölpreise.
Fazit: Trotz der nervösen weltpolitischen Lage sind die Ölbörsen derzeit ungewöhnlich ruhig. Im Moment ist keine größere Preisbewegung nach oben oder nach unten in Sicht. Auch der deutsche Heizölmarkt wirkt entspannt. Ein günstiges Umfeld also, um bei moderaten Preisen nach einem günstigen Angebot zu suchen.
Nach wie vor gilt jedoch: Nichts ist billiger und klimaschonender als Heizöl, das nicht verbrannt wird. Reduzieren Sie Ihren Verbrauch und überdenken Sie Ihre aktuelle Heizlösung. Ab dem Jahr 2027 könnten die CO2-Abgaben für Heizöl steil steigen. Die Verbraucherzentralen halten Tipps und Empfehlungen bereit.
Quelle: esyoil